"Ich bin keine Person, deren Ego befriedigt wird, wenn sie im TV zu sehen ist"
Anna Maier hat mit der Gründung ihrer Online-Boutique StyleMe.ch den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Während zwei Jahren hat sie sich auf den Launch vorbereitet: Nun ist Sie startklar. Mit "persoenlich.com" sprach die Moderatorin über ihre neue Firma, das angebliche Ende ihrer TV-Karriere und das Leben im Rampenlicht: "Heute würde ich mein Zuhause sicherlich nicht mehr zeigen". Das Interview:
Frau Maier, Sie haben die Online-Boutique StyleMe.ch gegründet. Wie ist die Idee enstanden?
Ich gehöre zu den Menschen, die nicht gerne shoppen. Ab und zu wage ich mich zwar zum Einkaufen in die grosse Masse, habe dann aber schnell genug von den vielen Leuten und der riesigen Auswahl. Irgendwann entdeckte ich den deutschen Online-Shop stylebop.com und bestellt meine Kleider oft dort. Ich finde es praktisch, Kleider und Accessoires zuhause anzuprobieren. So ist das Projekt ins Rollen gekommen.
Der Shop ist im November mit einem Festtags-Special gestartet. Warum kündigen Sie den offiziellen Launch erst für den 1. Januar an?
Die eingekaufte Frühlings-und Sommerkollektion kann erst am 1. Januar online gestellt werden, deshalb haben wir den eigentlichen Start auf dieses Datum angesetzt. In der Zwischenzeit konnten wir nun die ganzen Abläufe testen und Kunden kennenlernen. Anfang 2009 starten wir also nicht von null auf hundert, sondern es wird einfach ein grösseres Sortiment angeboten und aufgebaut.
Sie sind zum ersten Mal als Unternehmerin und damit selbständig tätig. Hatten Sie Mühe mit dem Rollenwechsel?
Man stellt sich das Ganze zu Beginn natürlich viel einfacher vor und ich bin vielleicht auch fast etwas Naiv auf alles zu gegangen. Insgesamt arbeite ich nun schon seit zwei Jahren an diesem Projekt. Ich musste zuerst einmal die ganze Modeszene kennenlernen und die verschiedenen Labels finden. Ich habe wirklich viel gelernt.
Setzen Sie sich selbst als Testimonial ein bzw. werben Sie über Ihren Namen für StyleMe?
Zu Beginn wollte ich den Shop unabhängig von meinem Namen aufziehen und im Hintergrund bleiben. Ich bin jedoch zum Schluss gekommen, dass die Leute sowieso wissen, dass ich hinter dem Projekt stehe. Nun rühre einerseits ich mit meinem Namen die Werbe-Trommel, andererseits soll aber auch das Produkte-PR nicht zu kurz kommen. So sind wir auch darauf bedacht, Produkte anzubieten, die man in der Schweiz nicht oder nur an wenigen Orten kriegt. Besonders freuen tu ich mich auf die Jeans-Linie von Heidi Klum, die wir ab Februar im Sortiment haben werden.
Haben Sie sich auch mal überlegt, statt „nur" die Produkteauswahl zu treffen gleich eine eigene Kleiderlinie zu entwerfen?
Ja der Gedanke ist aufgetaucht. Ich habe viele Freunde, die in der Modebranche zu Hause sind und mir Tipps geben könnten. Eines Tages werde ich diese Idee bestimmt weiterverfolgen, aber nicht heute und nicht morgen. Ein Traum von mir ist es zum Beispiel, Sommerkleidchen für jeden Tag zu entwerfen.
Sie sind in die Schusslinie von Tierschützern geraten, weil Sie unter anderem Kroko- und Schlangenleder im Angebot hatten. Als Folge haben Sie die Produkte aus dem Sortiment genommen. Wirkt es nicht unglaubwürdig, wenn man sich sofort den Kritikern beugt und seiner eigenen Linie nicht treu bleibt?
Das kann man durchaus so sehen. Die Kritik war jedoch vor allem gegen meine Person gerichtet. Wenn der Angriff nur gegen StyleMe stattgefunden hätte, wären die Artikel nach wie vor im Angebot, denn wir stehen zu diesen Produkten. Wir haben immer sehr vorsichtig agiert und alle Produkte des Sortimentes eingehend geprüft. Es war schlussendlich mein persönlicher Entscheid, denn das Ganze hat eine Eigendynamik angenommen, die mir wirklich zu weit ging. Als ich erkennen musste, dass sich mein Umfeld und ich aufgrund der Angriffe nicht mehr sicher fühlen konnten, stand für mich der Schutz meiner Nächsten im Vordergrund.
Mit dem Schritt ins Modebusiness gehen Sie neue Wege. Haben Sie genug vom Show-Business?
Grundsätzlich kann ich darauf mit einem nein antworten. Es ist aber schon so, dass ich nun doch seit 12 Jahren als Moderatorin arbeite und irgendwann nach dem 30sten Geburtstag in mir der Wunsch aufkam, mal noch etwas Anderes auszuprobieren. Das Eine muss jedoch das Andere nicht ausschliessen.
Seit sie aus Deutschland zurück sind, moderieren Sie auf SF nur noch einzelne Events. Kann man daraus schliessen, dass man am Leutschenbach über Ihren Abgang zu Sat.1 beleidigt war?
Die Trennung damals ist sicher beidseitig nicht optimal verlaufen, aber wir haben uns inzwischen ausgesprochen und die Angelegenheit geklärt. Es ist aber auch so, dass SF zur Zeit praktisch keine neuen Formate produziert. In diesem Sinne glaube ich nicht, dass man mich nicht mehr will, sondern dass es auch einfach nichts gibt.
Hätten Sie gerne wieder eine regelmässige Sendung wie beim Schweizer Fernsehen?
Momentan hätte ich die Zeit nicht. StyleMe nimmt mich sehr in Anspruch und braucht viel Einsatz, den ich der Firma auch unbedingt und gerne geben möchte. Dazu kommt, dass ich in meiner Karriere doch schon sehr viele verschiedene Sendungen moderiert und viel gesehen habe. Es müsste also schon eine Herausforderung sein.
Wenn Sie heute mit grösserem Abstand zurückschauen, würden Sie wieder zu Sat. 1 wechseln?
Auf jeden Fall. Das war eine grandiose Zeit! Ich habe auch heute noch Kontakt mit den Leuten, die ich dort kennengelernt habe, es sind Freundschaften entstanden. Die Chance, eine solche Kiste wie „You Can Dance" moderieren zu dürfen, war aussergewöhnlich und hat mir unheimlich viel gebracht.
Brauchte es nach dem grossen Rampenlicht mit „You Can Dance" eine grosse Überwindung ins Radiokämmerlein von DRS 3 zu wechseln?
Im Gegenteil. Ich mag es cosy. TV und Radio sind für mich zudem zwei ganz verschiedene Dinge. Ich habe immer gesagt, dass ich irgendwann wieder Radio machen möchte und bin dann eigentlich ganz zufällig wieder da reingerutscht. Für mich ist es eine grossartige und faszinierende Tätigkeit: Man kann bei den Hörern Bilder im Kopf entstehen lassen, die bei jedem wieder anders aussehen. Radio ist Fernsehen im Kopf.
Und das Rampenlicht fehlt Ihnen dabei nicht?
Ich bin nicht jemand, dessen Ego befriedigt wird, wenn er irgendwo in einer Zeitschrift oder am TV zu sehen ist. Am Anfang findet man das vielleicht noch toll. Mir persönlich fiel es aber nie leicht, vor Leute hin zu stehen und mich zu präsentieren. Das ist etwas, was ich durch meinen Job lernen musste.
Zeitungen titelten bereits „Anna Maier beendet ihre TV-Karriere". Was empfindet man, wenn man solche Schlagzeilen liest?
Da ich selbst im Medienbereich arbeite, finde ich das persönlich nicht dramatisch. Spannend ist dann aber zu sehen, wie die Leute auf solche Artikel reagieren, denn die glauben schlussendlich, was schwarz auf weiss steht. Das kann dann teilweise zu absurden Situationen führen. Da kam zum Beispiel jemand auf mich zu und sagt: „Das ist jetzt aber schade, Frau Maier, dass sie aufhören". Verrückt ist es auch zu sehen, wie schnell diese Falschmeldungen dann verbreitet werden.
Nebst ihrer Karriere begleiten die Medien auch Ihr Privatleben sehr intensiv. Wie gehen Sie damit um?
Das ärgert mich wirklich. Und zwar weil ich mein Privatleben zu schützen versuche. Ich habe auch schon angebliche Quotes von mir gelesen, die ich jedoch gar nie gegeben habe. Ich finde man sollte einfach respektieren, wenn jemand seine Privatsphäre nicht preisgeben will.
Sie machten jedoch auch schon freiwillig bei Homestories mit. Haben Sie damit die Geister nicht selber gerufen?
Das stimmt. Ich muss zugeben, dass ich auch schon Homestories mitgemacht habe. Die letzte ist allerdings sieben Jahre her. Ich bin mit 19 Jahren in dieses Business gekommen und in diesem Alter überlegt man nicht, was es bedeutet, wenn man den Medien die Haustür öffnet. Wenn man mal im Fokus der Presse ist, ist es schwierig, wieder einen Schritt zurück zu machen. Heute würde ich mein Zuhause sicherlich nicht mehr zeigen.
Welche guten Vorsätze/Ziele haben Sie sich für 2009 genommen?
Entschleunigung. Ich möchte mir ganz allgemein mehr Zeitinseln für mich selbst schaffen. Ich wünsche mir zum Beispiel, einfach wieder einmal in den Tag hineintrödeln zu können. Zudem möchte ich mehr Sport machen. Gerade habe ich meinen ersten Silvesterlauf bestritten. Das hat mich total happy und stolz gemacht, denn ich hätte mir das selbst gar nicht zugetraut.
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