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Stiefel, Leggings, Kopfbedeckung und Diamanten. Schlicht weg alles, was Frau haben muss, wurde in meinen letzten Blogs bereits beschrieben. Nun dreh' ich den Spiess einmal um. Könnt ihr euch einen Mann in Leggings mit Stiefeln, Kappe und Diamanten vorstellen, so richtig sexy, stylish, heiss, und das ganze noch im Winter, ohne Mantel? Nicht? Ich schon, und wie!
Jedes Jahr der gleiche Leckerbissen: St. Moritz Polo World Cup on Snow. Da schmilzt sogar der Lej da San Murezzan unter den Füssen weg. Wahnsinn! Die engen Höschen, die scharfen Stiefel, die stylishen Kolonialhelme und das Polo-Pony, das so viel kostet wie ein Big Diamant Rock! Auch wenn ich nach jedem gespielten Chukker keine Ahnung habe, welche Mannschaft ein Tor geschossen hat, so weiss ich aber jeweils ganz genau, welcher Spieler den knackigsten Allerwertesten hat. Wenn ich diesen dann erkoren habe widme ich mich anschliessend den Fouls neben dem Spielfeld:
Männer in Pelzmänteln, die einem schlecht frisierten Yeti gleichen, Dior Babys, die von der frierenden Nanny im überteuerten Rolls Royce-Kinderwagen über den Schnee geschoben werden und die zitternden kleinen Kläffer (man kennt auch einen anderen Ausdruck für diese Art Hund), die ihre kleinen Schädel nicht mehr heben können, weil ihre Zungen auf dem zugefrorenen See kleben blieben, prägen leider oft das Bild der Prolos on Snow.
Ich muss zugeben, so als Statist dabei zu sein ist schon ein Erlebnis, denn die Hauptrolle überlasse ich gerne den anderen Sternchen und solchen, die schon seit Jahrzehnten verglüht sind. Doch auch diese Spezies, bekannt als altes Luxusweib, schafft es an solchen Events immer wieder aufs Neue aufzufallen. Zobel, Nerz, Leopard, Bisam, Hermlin, etc mussten Höllenqualen leiden, damit das Profil-Neuroseverhalten dieser - zum Glück seltenen Art - zum Ausdruck kommt. Sie schleichen in ihren Pelz-Moonboots um die VIP-Zelte in der Hoffnung, noch einen letzten Bissen vom Iranischen Kaviar (Russischer passt zwar besser in diese Region) zu ergattern.
Besonders auffällig wird das Verhalten dieses Luxusweibchens, wenn ein anderes, jüngeres und noch schwerer behangenes Luxusweibchen die volle Aufmerksamkeit ergattert. Das mögen die alten Schnepfen dann gar nicht, da können ihre aufgepolsterten Schnäbel sowie die gestrafften Bäcklein nicht mehr mithalten. Auch wenn sie fröhlich weiterschnattern und das eingefroren wirkende Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bringen (das hat wohl aber weniger mit der Glückseeligkeit zu tun als viel mehr damit, dass diese Weibchen ihren Chirurgen verklagen sollten), sind sie bestimmt um jeden Schluck Champagner froh, der ihnen das Grauen versüsst und sie mit einem kleinen Schwipps wieder etwas (noch) kindischer werden lässt.
In diesem Moment wende ich mich dann jeweils gerne wieder den schöneren Dingen des Lebens zu und warte den nächsten Chukker ab, denn da wird noch mit natürlichen Mitteln nachgeholfen, nämlich mit richtigen Kerlen und echten, natürlichen Stuten.
Viva la Grischa
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