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Man soll in der Gegenwart leben!
Was fürs allgemeine Leben stimmen mag, findet in der Mode absolut kein Gehör.
Hier lebt man ausschliesslich in der Zukunft. Zumindest, was die Order anbelangt.
Zur Zeit bin ich auf Bestelltour für den Herbst/Winter 2011. Dabei hilft es mir tatsächlich, dass momentan draussen winterliche Verhältlnisse herrschen. Sobald es etwas wärmer wird, schwindet nämlich die Lust, sich weiterhin mit dicken Pullovern und Grobstrick-Cardigans zu beschäftigen. Dann schreit das Herz nach luftig-leichten Kleidchen (wie sie momentan bei uns täglich in grossen Paketen angeliefert werden - bestellt habe ich diese aber bereits im letzten August).
Wie und wo bestellt man Mode als Wiederverkäufer (dies hilt für einen physisch existierenden Verkaufsladen genauso wie für den Online-Shop)? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt.
Nun, praktisch jedes Modelabel ist bei einer Agentur untergebracht, die zwei- bis viermal im Jahr Wiederverkäufer einlädt, um die neuen Designs zu besichtigen und zu bestellen (in der Schweiz, in Mailand, in München).
Die Schwierigkeit: Wie positiioniere ich welches Label? Ich möchte ja nicht, dass unsere über 20 Marken sich selber konkurrenzieren. Bestelle ich beim einen Label eine für den Herbst ultra-angesagte rote Lederleggings, dann focussiere ich mich auf eine Marke, wähle die schönste Hose aus und verzichte beim anderen Label darauf bzw suche mir dort einen "Schlüssel-Artikel".
Bei Basics bin ich vorsichtig, die kauft man eher bei H&M oder Zara. Was ich suche, sind die modischen Teile, die durch raffinierte Details auffallen und mit ihrer Qualität überzeugen.
Man kann das Mode einkaufen auch mit dem Kauf von Aktien vergleichen.
Auch wenn gewisse Trends erkennbar sind, ist ein Jahr zuvor selten klar, welche Trends auch wirklich von den Modebegeisterten getragen und zu einem richtigen Trend heranwachsen. Wüsste man dies immer, dann hätte man immer richtig viele Arrtikel an Lager und nur Bestseller im Angebot.
In der Realittät gibt es Artikel bzw Labels, die ausverkauft sind, sobald die Artikel bestellbar sind (aktuell zu beobachten bei unserem neuen Label "indiwoman by indiviudal" - bereits am ersten Tag waren drei Artikel komplett ausverkauft). Dies führt manchmal zu einem Frustpotential ("meine Grösse ist immer schon weg!"), aber lässt sich nur schwer ändern. Denn selbstverständlich gibt es auch Artikel , die etwas weniger beliebt sind und in jeder Grösse erhältlich wären, aber sie bleiben liegen.
Manchmal gibt es auch die überraschenden Trends. Jüngstes Beispiel aus der letzten Saison: die angesagte Fell-Mütze. Beim Einkauf nahm ich eher widerwillig 10 Stück an Lager, meinte schmunzelnd, dass vielleicht Hundehalter sie bei ihren langen Winterspaziergängen gut gebrauchen könnten. Und im Nu waren alle ausverkauft und zu sehen sind sie einfach ÜBERALL. Dass dieser Trend einen solch durchschlagenden Erfolg hatte, fand ich eher erstaunlich.
Wieviel kaufe ich von welcher Grösse? Dies ist ein gut gehütetes Geheimnis. Natürlich haben wir über die letzten zwei Jahre einen Schlüssel entwickelt, meistsens geht er auf, manchmal nicht. Eben: Wie ein Aktienkauf.
Aber genau diese Unberechenbarkeit macht den Job so spannend. Und natürlich, dass man ganz nah dabei ist, wo Trends enstehen.
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